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Pfarrei St. Margareta Kahl am Main  > Kirchenrundgang  > Liborius-Wagner-Kirche

Liborius-Wagner-Kirche 

Zur Baugeschichte der Kirche

In den 60er und 70er Jahren entwickelte sich in Kahl ein umfangreiches Neubaugebiet in den Gemarkungen „Heide“, „Ochsensee“ und in der nördlichen „Vorstadt“; man rechnete hier mit etwa 2000 Katholiken. Zeitgleich entstand ein sich schnell vergrößernder Campingplatz am Campingsee. Um für die Bewohner dieser Gebiete eine seelsorgerische Betreuung ermöglichen zu können, plante der damalige Pfarrer Valentin Lippert auf der Heide ein neues kirchliches Zentrum mit Kirche, Gemeindehaus und Kindergarten, das von der Ortspfarrei St. Margareta aus versorgt werden sollte. Zunächst jedoch fanden die Gottesdienste draußen im Wald neben dem Campingplatz statt. Für die Camper wurde eine eigene Campingseelsorge betrieben und der Gottesdienst direkt auf dem Campingplatz gefeiert.

Der Kindergarten wurde bereits im Mai 1971 in Betrieb genommen. Da die finanziellen Mittel der Pfarrei knapp waren, stellte die Diözese Würzburg eine Zeltkirche als Notlösung zur Verfügung, in der ab Juli 1971 regelmäßig Gottesdienst gehalten wurde. Nach 15 Jahren war das Zelt aber brüchig und erneuerungsbedürftig geworden. Man entschloss sich nun doch zum Bau einer festen Kirche mit anschließendem Gemeindehaus, finanziell umfassend unterstützt von der Diözese und mit einem hohen Spendenaufkommen der Pfarrgemeindemitglieder. Diözesanbaumeister Jürgen Schädel gestaltete den Vorentwurf und Architekt Berthold Mangelmann übernahm die weitere Ausgestaltung der Pläne und die Bauleitung, die Firma Aulbach den Bau.

Der erste Spatenstich erfolgte am 25.März 1986. Bei der Grundsteinlegung am 7.September 1986 wurde der Grundstein mit der Inschrift „Christus der Eckstein – wir lebendige Steine“ sichtbar als Eckstein in die Außenmauer zwischen Kirche und Gemeindehaus eingepasst.

Bei der Innen- und Außengestaltung wurde besonderer Wert auf regionale Baustoffe gelegt: weißer Sandstein für den Baukörper und Prophyr als Wegbelag.

Die Weihe der 510 qm großen Kirche vollzog Bischof Paul-Werner Scheele am 6.Dezember 1987 auf den Namen des seligen Liborius Wagner, der im Jahre 1631 bei Altenmünster (Kreis Schweinfurt) den Märtyrertod erlitt und 1974 selig gesprochen wurde. Dieser Termin wurde bewusst so gewählt, damit zukünftig die Pfarrei das Fest der Kirchweihe und das Fest des Kirchenpatrons (9.Dezember) gemeinsam feiern kann.

Form und Gestaltung

Die Form des Zeltes sollte beim Neubau beibehalten werden, als Nachfolger der bisher bewährten und beliebten Zeltbaues.

Das Zelt steht aber vor allem auch als Symbol für die christliche Gemeinde als das wandernde Volk Gottes. Damit sollte die besondere Verbindung zur Campingseelsorge hergestellt werden, denn mit dem Neubau endeten die Gottesdienste auf dem Campingplatz.

Eine weitere Grundidee entstammt dem Geiste des II. Vatikaniums: Die Gemeinde sollte sich um den Altar versammeln ohne eindeutige Trennung zwischen Chorraum und Gemeinde. Zur Umsetzung dieser Ideen wurde ein zentraler, mit Kupfer gedeckter Bau geschaffen, dessen Dachkonstruktion aus 64 nach oben strebenden geschwungenen Leimbindern die Form eines Zeltes symbolisiert und der als Krönung und Hauptlichtquelle eine Glaskuppel erhielt.

Das von oben einfallende Licht verweist auf den Altar als Mittelpunkt des Gotteshauses. Um die Altarinsel gruppieren sich kreisförmig die Bänke für die Gemeinde.

Gestaltung und Ausstattung des Innenraums

Die Bildhauerarbeiten erfolgten durch Bildhauer Felkl aus Stadtlauringen. Von ihm stammen sowohl die Sandsteinarbeiten (Altar, Ambo, Taufstein, Priestersitz) als auch die Holzstatuen von Maria, der Gottesmutter, und Liborius Wagner.

Ungewöhnlich ist, dass hier die Reliquien nicht eingemauert sind sondern in einem gläsernen Reliquienschrein im Zentrum des Altars sichtbar angebracht wurden.

Das Altarbild wurde vom Maler Oskar Koller aus Nürnberg gestaltet und symbolisiert das himmlische Jerusalem, angelehnt an die Beschreibung in der Offenbarung des Johannes.

Auch der Kreuzweg der Alzenauer Malerin Gertrud Fuchs weist Besonderheiten auf: in der unterschiedlichen Größe der Bilder und in deren Anordnung. Je sieben der 14 Stationen, die das Leiden und Sterben Christi darstellen, streben von beiden Seiten auf den Mittelpunkt zu, gleichsam als eine 15. Station. Es ist der auferstandene Christus, der durch seine Auferstehung Garant für das Ende des Leidens und für ein Weiterleben nach dem Tod geworden ist, die zentrale Aussage des christlichen Glaubens.