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Liebe Mitchristen,

das haben wir alle bestimmt schon mal gehört oder sogar selbst gesagt: man müsste, man könnte, man sollte. Ein Spruch, der in vielen Situationen fällt. Mit unseren Ideen “bereichern” wir die anderen, die sie dann umsetzen sollen - wir möchten die Früchte unseres Intellektes konsumieren. Wir wissen, wie es besser geht, wie es grüner geht, und doch fällt es uns oft schwer, auch die notwendigen Schritte umzusetzen und endlich anzufangen. Lieber schielen wir auf die anderen.

Eine andere Situation - vor 2000 Jahren: Da kommt der Engel und teilt einem Mädchen mit, dass Gott es braucht – hier und jetzt. Ihre Welt wird auf den Kopf gestellt. Doch sie erkennt: Die gegenwärtige Stunde braucht neue Wege. Sie stimmt zu und das Wort ist Fleisch geworden.

Sie motiviert uns. Ihre Entscheidungsfreude und Erkenntnis, dass eine neue, andere Zeit anbricht, treibt sie zum Anpacken, zum Handeln, zum Machen, zum Tun.

Die Corona-Krise stellt unsere Welt auf den Kopf. Wir müssen uns neu orientieren, umdenken, anders handeln – Homeoffice, Online-Sitzungen, Urlaub zu Hause, Social Distancing. Viele Unternehmen suchen nach neuen Arbeitsformen, Restaurants orientieren sich um, Lieferservice und Paketdienste boomen, Großunternehmen ändern ihre Werbetaktik, es gibt neue Formen des Unterrichts. Ob alles gut ist und gut funktioniert, wissen wir noch nicht. Aber überall wird angepackt, umgedacht, sich neu orientiert.

Leider geht es vielerorts in unserer Kirche anders. Wir wollen so gerne das Alte, Bewährte behalten und auch irgendwie konservieren. Das ist verständlich, denn es gibt Sicherheit und zwingt nicht zum Umdenken und zur Veränderung. Wir möchten so gerne, dass in oder wenigstens nach der Corona-Zeit alles so läuft wie vorher. Doch diese Zeit ist eine Herausforderung: Neue Formen des Glaubens leben, neue Wege in der Glaubensweitergabe beschreiten, mehr Verantwortung übernehmen, stets in Bewegung bleiben - das ist die Kunst der Stunde. Sich auf den Weg machen, handeln. Ich. Selbst. Ganz nach dem 2000 Jahre alten Motto: Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort.

Sobald ich in der Ich-Formulierung bin, bin ich in der Tatkraft, ich übernehme Verantwortung für mein Leben und kann dann tatsächlich auch etwas bewegen.

Viele Grüße und Mut für neue Wege! 
Ihr Pfarrer Mariusz Kowalski

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