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„Sie waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich“

Zu Beginn der Gebetswoche für die Einheit der Christen folgten ca. 150 Christen der Einladung der evangelischen Pfarrgemeinde Kahl / Karlstein und der katholische Pfarrgemeinde St. Margareta zu einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst am Samstagabend, 18.01.20, in die Kahler Pfarrkirche.

Die Gebetswoche stand unter dem Motto aus der Apostelgeschichte: „Sie waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich“. In seiner Begrüßung und Einleitung griff Pfarrer Kowalski (kath.) dieses Motto auf und erklärte, dass „...getaufte Christen glauben …, dass Christus … jenen Menschen begegnen will, die im Leben buchstäblich oder im übertragenen Sinne Schiffbruch erlitten haben“. Die Gemeinschaft aller Getauften sei kein bloßes Nebeneinander-Stehen und schon gar nicht ein Gegeneinander-Stehen, sondern will ein immer tieferes Miteinander-Stehen werden, so rief der katholische Priester dazu auf, in diesem Sinne für die Gemeinschaft zu handeln.

Nach einem kurzen Anspiel, das auf die heutige Umgehensweise mit „Flüchtlingen“ hinwies und dem ersten Teil der Lesung aus der Apostelgeschichte, wurde in den darauf vorgetragenen Texten deutlich, dass jeder den sprichwörtlichen „Schiffbruch“ erleiden kann. Zu den „Schiffbrüchigen“ der heutigen Zeit gehörten neben den Menschen, die vor Krieg, Naturkatastrophen und Hunger flöhen, eben auch diejenigen, die ihnen gegenüber nicht gastfreundlich sind. Neben denjenigen, die obdachlos, arbeitslos, alkohol- oder drogenabhängig und vereinsamt seien, strandeten aber auch jene, die ihren Blick abwendeten und nicht gegen jegliche Gewalt und Elend vorgehen würden.

Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes predigte Pfarrer Riewald (evang.), dass die Freundlichkeit, von der in der Lesung berichtet wurde, ein Zeichen der Mitmenschlichkeit sei und die Christen glaubten, dass Gottes Liebe da sichtbar und erfahrbar werde, wo Menschen anderen Menschen mit Liebe und Freundlichkeit begegneten. „Gott ist Liebe“ fährt Pfarrer Riewald fort und das Leben würde sich verändern, wenn man sich von diesem Grundgeheimnis berühren ließe. Der Blick in die Zukunft und das Verhältnis zu den Menschen würde sich verändern und möglicherweise könnten sich für die Kirchen neue Perspektiven eröffnen, wenn sie „laut und deutlich ihre Stimme erheben gegen die zunehmende Kälte und Unfreundlichkeit in unserem Land“. Abschließend forderte er alle Anwesenden auf, dies zusammen als katholische und evangelische Christen umzusetzen.

Im letzten Drittel des Gottesdienstes wurde zu einem gemeinsamen Gebet aufgerufen, da laut des Sprechers, die Stürme des Lebens nicht allein zu meistern seien. Ähnlich wie ein Boot nur vorankommen könne, wenn alle gemeinsam ruderten, so sei es gerade angesichts von Schwierigkeiten wichtig, an einem Strang zu ziehen und die Kräfte zu bündeln. Die einzelnen Gebetsaufrufe wurden durch Aufschriften
auf symbolischen Paddeln verbildlicht. Die Texte und Gebete waren eingebettet in Lieder, die gemeinsam mit der musikalischen Unterstützung der Band „Bandixon“ gesungen wurden. Dabei trug die Frische und Leichtigkeit der Musiker sehr zur Auflockerung der Gottesdienstfeier bei.

C. Hieke

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